Was sind das für Zeiten, in denen für sicher geglaubte demokratische Spielregeln unsicher werden, in denen anscheinend nur noch das Recht des Stärkeren zählt, in denen Politiker gierig, scham- und rücksichtlos ihre Macht demonstrieren (weil sie es halt können)!Es sind Zeiten, in denen wir hinschauen und entscheiden müssen.
Beim Hin-Schauen hilft auch ein Blick in die Literatur:
Bertolt Brechts Theaterstück "Der (aufhaltsame) Aufstieg des Arturo Ui" zeigt parabelhaft die Machtergreifung und den Machtausbau Adolf Hitlers, verlegt in die Gangsterwelt der USA in den 30er Jahren. Und Brecht warnt am Ende des Stücks: „Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.“
In seinem Dokumentarfilm „Das Arturo-Projekt“ zeigt der Landsberger Filmemacher Robert Fischer eine innovative, spektakuläre Aufführung des Brecht-Stücks in einem Zirkuszelt. Das Theater Wasserburg, "Die Stelzer" Landsberg, der Wanderzirkus Boldini und ein Live-Orchester beschlossen 2019, sich auf ein gewagtes Experiment einzulassen. Schauspielerinnen, Artist*innen und Musiker*innen bündelten ihre kreativen Kräfte, um die Warnung vor dem Aufstieg eines Diktators aufzuführen.
Arturo Ui will nach oben. Koste es, was es wolle. Bestechung, Korruption, Mord, Betrug, egal: Hauptsache es geht an die Spitze: Unter Ausnutzung einer wirtschaftlichen Krise, mit Redekunst und Hetze gelingt Arturo Ui ein erschreckend einfacher politischer Aufstieg. Mit der Moral ist es in den Zeiten der Krise nicht weit her und so wird ein Niemand mit unverhohlener Dreistigkeit zum Chef eines Imperiums. Das kleine Zirkuszelt wird zu ganz großem Theater, die Manege mutiert zur Bühne, ein Gangster entpuppt sich als Clown, seine Gegenspieler tanzen auf Stelzen, Zirkusnummern verschmelzen mit Theaterszenen, Schauspieler werden zu Artisten - und das Lachen bleibt einem im Halse stecken.
Den Film begleiten im Gespräch das Produktionsteam Robert Fischer und Wolfgang Hauck. Zu Gast sind zudem Stelzer aus Landsberg: In Marktoberdorf bekannt von den legendären Gauklertreffen in den 80ern, gemeinsamen Workshops im mobilé und von anderen Aktionen. Wir laden herzlich ein zum Hin-Schauen!
Wann: 27.03.2026 um 19.30 Uhr
Wo: filmburg Marktoberdorf
Eintritt: 10,- / 5,- (erm.)
Tickets unter: info@filmburg.de
Im Rahmen des Literaturfestivals Allgäu Schwaben 2026 kommt der preisgekrönte Nürnberger Schriftsteller Ewald Arenz auch in die Filmburg nach Marktoberdorf! Die Romane des Autors und Nürnberger Gymnasiallehrers waren allesamt Bestseller, darunter „Alte Sorten“ (2019), „Der große Sommer“ (2021) und „Die Liebe an miesen Tagen (2023).
Ewald Arenz entwirft in seinem Roman „Zwei Leben“ (2024) das Bild einer konservativen Dorfgemeinschaft mit beschwerlichem Landleben und gesellschaftlichen Strukturen mit geringen individuellen Freiheiten. 1971 in einem Dorf in Süddeutschland: Nach einer Schneiderlehre in der Stadt kehrt die 20-jährige Roberta auf den Hof ihrer Eltern zurück. Sie ist das einzige Kind und wird irgendwann einmal die Bäuerin sein. Hier auf dem Land sind Vergangenheitsbewältigung, Kriegsdienstverweigerung, Feminismus, Popkultur und Miniröcke nichts, womit man sich beschäftigt. Hier zählen Arbeit, Gehorsam und moralisches Verhalten. Roberta träumt davon, eigene Kleider zu entwerfen. Zugleich liebt sie ihren Hof und die körperliche Arbeit in der Natur, wo sie sich ganz und gar spürt. Und sie liebt Wilhelm, den Pfarrerssohn. Wilhelm ist nicht nur für Roberta der Grund, im Dorf zu bleiben. Auch seine Mutter Gertrud bleibt wegen ihres Sohnes. Im Gegensatz zu Roberta hasst sie das Landleben und wünscht sich nichts mehr, als weggehen zu können, hinaus in die Welt.
Führen wir das für uns richtige Leben? Dieser existenziellen Frage geht der Nürnberger Schriftsteller Ewald Arenz in „Zwei Leben“ nach.
Wer den stets gut gekleideten Schriftsteller und Gymnasiallehrer je auf der Bühne erlebt hat, weiß, dass auch dies ein Abend voller physischer Präsenz, mit klugem Humor und wortgewandten Geschichten werden wird, die weit über das Buch hinausreichen.
Wann: 20.06.2026 um 19.30 Uhr
Wo: filmburg Marktoberdorf
Eintritt: 15 Euro (erm. 10 Euro)
Tickets unter: info@filmburg.de